Moritz im Bundestag

Am 21.09.2012 war ich als Experte zur Anhörung der Projektgruppe “Interoperabilität, Standards, Freie Software der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des deutschen Bundestages eingeladen.

Die Sitzung wurde auf Video aufgezeichnet, Protokoll, und Heise berichtet.

Wie kam es dazu? Vorgeschlagen wurde ich von Alvar Freude, Mitglied der Projektgruppe und bekannt unter anderem durch den ak-zensur und die Aktion Löschen statt verstecken, den ich bei zwei Deutschen Perl Workshops kennen gelernt habe. Er wollte bei einer Anhörung zum Thema Software jemanden dabei haben, der aus Sicht eines Softwareentwicklers mitreden kann, und kein Funktionär oder Lobbyist ist.

Inhaltlich hat Heise recht gut zusammengefasst, außerdem gibt es noch eine schriftliche Stellungnahme von mir zu zwei vorher gestellten Blöcken von Fragen. Zusätzliche hatte ich noch erwähnt, dass es ein Unding ist, dass Normen kostenpflichtig (und zum Teil sehr teuer) sind. Das behindert Interoperabilität in geradezu grotesker Weise. Zudem sind Normen auch in Gesetzestexten referenziert, sodass sie Teil des gültigen Rechts sind, und trotzdem sind sie nicht für jeden zugänglich.

Inhaltlich habe ich vor allem gelernt, dass der Zustand der IT-Infrastruktur in Teilen der öffentlichen Verwaltung schlimmer ist als ich dachte, und dass die Vergabe von neuen Projekten oft sehr weit vom dem Geist der Vorgaben abweicht. So gibt es in manchen Ministerien Vorgaben, dass Bewerbungen auf Ausschreibungen in einer ganz bestimmten, kostenpflichtigen Schriftart erfolgen muss — reine Schikane.

Überrascht war ich, dass nur ein Mitglied des Bundestags bei der Anhörung anwesend war, der Rest waren Sachverständige, die von den Fraktionen beauftragt waren, an den Sitzungen teilzunehmen. Auch wenn ich gemerkt habe, dass mir Politik nicht liegt, kann ich mir vorstellen, dass man als Sachverständiger in so einer Projektgruppe noch recht viel erreichen kann, ohne die Politik als Vollzeitbeschäftigung zu wählen.

Jetzt bin ich erst einmal gespannt, ob aus der Anhörung Handlungsempfehlungen hervorgehen, und ob sie jemals umgesetzt werden, und wenn ja, in welchem Zeitrahmen.

Ein Dankeschön geht an meinen neuen Arbeitgeber Noris Network, der mich zu der Anhörung freigestellt hat.

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Kunst auf der Couch in Erlangen

Am Wochenende vom 7./8. Mai 2011 findet in Erlangen die Aktion Kunst auf der Couch statt.

Dabei öffnen viele Künstler die Türen ihrer Privatwohnungen, und zeigen dem interessierten Besucher eine Auswahl ihrer Werke.

Ich war letztes Jahr im Rahmen dieser Aktion unterwegs, und habe es sehr genossen. Das ganze ist sehr viel persönlicher als bei einem Museumsbesuch, und empfehlenswert für jeden, nicht nur eingefleischte Kunstliebhaber

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MOD-Flaute bei wer-weiss-was

MOD-Flaute bei wer-weiss-was

wer-weiss-was.de ist eines der größten allgemeinen deutschen Foren im Internet und wird von e-publica betrieben, das manche Internetbenutzer auch von ihrer Plattfrom xing kennen.

Die oberste Instanz dieses Forum ist “das Team”, bezahlte Mitarbeiter von e-publica. Unterstützt werden sie durch fast dreissig unbezahlte “Moderatoren”, kurz MODs. Bei der Zusammenarbeit und Kommunikation hakt es seit einiger Zeit, und vor kurzem wurde Metapher (ich nenne hier alle Moderatoren mit Nicknamen) als Moderator gefeuert.

Dann folgten letzten Freitag mit Tino und Birgit zwei weitere langjährige MODs, die wegen “Unstimmigkeiten” gegangen wurden.

Die Reaktion der anderen Moderatoren war wütend und heftig. Begonnen hat Evil Princess (Userin seit 2000), die sich als Moderatorin verabschiedet hat, in
kurzem Abstand gefolgt von Ralf Boeck (User seit 2003), Yseult (ebenfalls seit 2003 dabei), sowie Maja* (Mitglied und MOD seit 1998, also quasi von Anfang an dabei).

Da am Wochenende die Team-Mitglieder nicht mitlesen, gibt es noch keine offiziellen Reaktionen darauf.

Die Gründe sind für den Unmut der Moderatoren sind vielfältig, und lassen sich nur zu kleinen Teilen auf jüngste Ereignisse zurückführen. Seit Pro7Sat1 im August 2007 wer-weiss-was.de übernommen hat, gab es viele Veränderungen, von denen nur die wenigsten von den alt eingesessenen Benutzern (zu denen ich mich auch zähle) als positiv empfunden wurden. So wurd vermehrt für w-w-w geworben, was eine Flut neuer Benutzer bewirkt hat, die subjektiv die Qualität der Beiträge gesenkt haben.

Auch wurde ein neues Design geschaffen (Februar dieses Jahres), über das ich mich (und viele andere Benutzer) ob dessen Unbenutzbarkeit schon lautstark beschwert habe. Es kamen auch viele konstruktive Vorschläge zur Verbesserung, von denen bisher so gut wie keine umgesetzt wurden. Auf gut Deutsch heisst das, dass das Design immer noch grauenvoll ist, und die Verbesserung des Stylesheets, die auf etwa zwei Wochen nach dem Rollout angesetzt waren, lassen immer noch auf sich warten.

Die Übernahme hat den komerziellen Charakter von w-w-w, der vorher nur sehr hintergründig zu spüren war, deutlich in den Vordergrund geschoben, und daher den Unmut der unentgeltlichen Mitarbeiter heraufbeschoweren.

Ich selbst bin seit Juni letzten Jahres dort MOD, und habe die Moderation für fünf Themen übernommen. Zur Zeit bin ich am Überlegen, ob ich mich ebenfalls zurückziehen sollte, oder sogar (wenn ich wieder mehr Zeit habe) ein Konkurrenzforum aufmachen sollte (was jedoch extrem zeitaufwändig wäre, da ich das in großen Teilen selbst programmieren würde), das ein wenig demokratischer mit seinen Mitgliedern umgeht.

Darauf dürfte sicher auch die Reaktion des Teams Einfluss haben; ein Verlust von fast einem Viertel aller Moderatoren innerhalb von zwei oder drei Wochen sollte schon zum Nachdenken anregen.

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Call for Papers für den 11. Deutschen Perl-Workshop

Ende Februar 2009 findet der 11. Deutsche Perl-Workshop in Frankfurt statt. Der Call for Papers (CfP) läuft zur Zeit.

Also wer meint, etwas zum Thema Perl zu sagen zu haben, sollte jetzt dort seinen Vorschlag einreichen.

Ich war dieses Jahr (2008) beim Perl-Workshop in Erlangen (der Workshop ist jedes Jahr in einer anderen Stadt), und war positiv überrascht darüber wie freundlich die Perl-Community ist (die ich bis dahin fast nicht aus dem Real Life kannte), auch inhaltlich war es recht interessant. Also: Hingehen, lohnt sich!

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OpenSSL in Debian: Alle alten Keys unsicher

Heute kam auf der security-Liste von Debian ein schokierendes Advisory: Eine Debian-Spezifischen Änderung im OpenSSL-Code hat dazu geführt, dass bei der Schlüsselgenerierung schlechte Zufallszahlen benutzt wurden, was alle bisher generierten Schlüssel angreifbar macht.

It is strongly recommended that all cryptographic key material which has
been generated by OpenSSL versions starting with 0.9.8c-1 on Debian
systems is recreated from scratch. Furthermore, all DSA keys ever used
on affected Debian systems for signing or authentication purposes should
be considered compromised; the Digital Signature Algorithm relies on a
secret random value used during signature generation.

Debian will Tipps dazu geben, wie man am besten die Schlüssel ändert, für Server-Betreiber könnte das unangenehme Arbeit bedeuten.

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Musikempfehlung: Amy Macdonald, This is the Life

Normalerweise gibt es auf meinem perönlilchen Blog nicht viel persönliches, hier gibt es eine kleine Ausnahme: Eine Musikempfehlung.

Von Amy MacDonald kennt man eventuell Mr. Rock’n'Roll aus dem Radio. Aber ich finde das ganze Album names This is the Life sehr empfehlenswert (es gibt auch einen Song gleichen Namens auf diesem Album).

Als ich das Album das erste mal an einem Stück durch gehört hatte, dachte ich, dass es zu anstrengend wäre, um es am Stück zu hören. Beim zweiten mal hören habe ich meine Meinung gründlich geändert, und es in den nächsten zwei Wochen etwa dreimal täglich gehört. Inzwischen habe ich auch mehrere Freunde angesteckt ;-)

Die Musik der sympathischen Schottin könnte man als lebhaften Pop mit einem leichten Country-Einschlag beschreiben, wobei ich bei solchen Beschreibungen immer sehr schlecht bin. Am besten einfach die beiden Songs anhören, und sich dann überzeugen lassen.

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Perl 5-Entwickler steigen auf git um

Perl 5-Pumpking rgs hat gestern bekanntgegeben, dass die Perl 5 “porter” auf git umsteigen.

Bisher wurde Perforce für die Versionskontrolle eingesetzt, dafür gab es allerdings nur eine eng begrenzte Anzahl von Zugängen, alle anderen mussten rsync benutzen.

Mit git kann nun jeder Entwickler Problemlos eine komplette Kopie des Repositories speichern, inklusive History, Branches usw.

Die Umstellung ist noch nicht vollzogen, ich freue mich aber schon jetzt darauf ;-)

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Aufruhr bei wer-weiss-was

In einem der größten deutschen Webforen, wer-weiss-was.de, hat der Betreiber epublica am Dienstag ein lang angekündigtes neues Design eingesetzt.

Seitdem hagelt es kritik, in der Kategorie “Anregung, Lob & Kritik” geschätzte 80 Threads, die sich negativ mit dem neuen Design auseinandersetzen.

Haupkritikpunkt ist, dass das neue Design einfach nicht funktional ist. Es ist verspielt, mit abgerundeten Ecken und vielen verschiedenen Schriften und gedeckten Blautönen.

Dummerweise ist der Frame, in dem man Artikel liest, wesentlich kleiner als vorher, und insgesamt ist der Kontrast so schlecht, dass man die Lust verliert, sich durch das Forum zu klicken.

Der Betreiber scheint mit dem Sturm der Kritik überfordert zu sein, obwohl man bemüht ist, die allergröbsten Schnitzer zu beseitigen (z.B. war das Layout mit IE6 vollkommen zerschossen, und der “Vorschau”-Button hat den Artikel endgültig geschrieben, anstatt die Vorschau zu zeigen).

Ich warte erst mal ab, ob das Forum wieder benutzbar wird. Bis dahin lese ich die Artikel vor allem per RSS-Feeds und schaue mir nur die an, die sich im RSS-Feed interessant anhören.

Meiner Meinung nach war es ein Fehler, einen Designer zu beauftragen, der selbst nicht im Forum aktiv ist, und anscheinend keine Ahnung von Usability hat. Außerdem ist es ein typsicher Fall, in dem Enbenutzer als Betatester mißbraucht wurden.

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