Freier Wille?
Jede Diskussion über Philosophie kommt früher oder später an den Punkt, wo man debattiert, ob der Mensch einen freien Willen hat.
Also will ich das gleich am Anfang klären: Er hat keinen. Punkt. So einfach ist das.
Als Naturwisschenschaftler drängt sich mir diese, zugegeben etwas unangenehme, Erkenntnis geradezu auf. Die Argumentation ist auch recht einfach:
Geist (im Sinne der Fähigkeit zu denken) ist ganz offensichtlich an Materie gebunden, wie zahlreiche Beobachtungen an Personen mit Gehirnschäden eindrucksvoll belegen. Es gibt sogar Modelle, nämlich Neuronale Netze, die viele Teilfunktionen des Gehirns sehr gut simulieren, und es ist auf biologischer Ebene auch bekannt, wie Neuronen funktionieren.
Die Schlussfolgerung ist also: Unser Denken entsteht durch elektrochemische Prozesse.
Und wenn wir einen freien Willen hätten, hieße das, dass es einen Vorgang geben müßte, der aus diesen elektrochemischen Prozessen entsteht, ein Eigenleben entwickelt, und dann wieder auf diesen elektrochemischen Prozess zurückwirkt.
Verrückte Vorstellung, oder?
Eine der Maximen der modernen Wissenschafft ist, dass wenn es zwei Modelle gibt, die das gleiche Phänomen so beschreiben, dass das gleiche herauskommt, dann ist das einfachere das richtige.
Die einfache und damit auch richtige ist, dass es evolutionär Vorteilhaft ist oder war, dass wir uns einen freien Willen und Entscheidungsfreiheit einbilden.
Wenn man diese Argumentation das erste Mal hört, ist es ein ganz schön harter Brocken zu schlucken, aber letztendlich ändert die Erkenntnis, dass man keinen freien Willen hat, den Alltag nicht allzu sehr. Eigentlich gar nicht.
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